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Hans Christoph Buch wird 65
Das Fernweh hat Hans Christoph Buch wahrscheinlich von seinem Großvater geerbt. Vor mehr als hundert Jahren ließ der sich in Haiti nieder und heiratete eine Haitianerin.
Berlin (dpa)

Hans Christoph Buch
Der Schriftsteller Hans Christoph Buch wird 65.

Die Karibik- Republik, die so oft mit Krisen und Umstürzen von sich reden macht, hat auch den Enkel nicht losgelassen. Immer wieder ist er dort hingereist, und etliche seiner Romane hat er dort spielen lassen. Am Ostermontag wird Hans Christoph Buch 65 Jahre alt.

Seinen Geburtstag wird der eigentlich in Berlin lebende Literat fern der Heimat verbringen - allerdings nicht in Haiti, sondern am anderen Ende der Welt, in China. Als «Writer in Residence», als Gastschreiber also, ist er für drei Monate in die von Marco Polo gepriesene Stadt Hangzhou südwestlich von Schanghai gezogen, wo man sich, wie er sagt, «in ein chinesisches Gedicht oder Gemälde versetzt glaubt».

Bis dorthin war es ein weiter Weg: Die literarische Bühne betrat Buch mit 19 Jahren, als er vor der legendären «Gruppe der 47» eine seiner frühesten Erzählungen vorlesen durfte. Mit 22 veröffentlichte er die Geschichtensammlung «Unerhörte Begebenheiten», sein erstes Buch. Zu der Zeit studierte er in Berlin. Seit Ende der 60er Jahre fand Buch auch als Literaturwissenschaftler und -kritiker Anerkennung. Die eigene Familiengeschichte und ein allgemeines Interesse an der Dritten Welt zogen ihn später in die Karibik.

1984 gab Buch mit «Die Hochzeit von Port-au-Prince» sein Roman-Debüt. In einer Mischung aus Fiktion und realer Geschichte geht es darin um Haiti. Der Titel kann auch als Anspielung auf Heinrich von Kleists Haiti-Novelle «Die Verlobung in St. Domingo» verstanden werden. Es folgten «Haiti Chérie» (1990) und «Rede des toten Kolumbus am Tag des Jüngsten Gerichts» (1992), woraus sich eine Haiti-Trilogie ergab. Nach Deutschland zurückgekehrt ließ Buch eine ebenfalls von schwarzem Humor durchzogene «Europa-Trilogie» folgen.

Außer als Romanautor machte sich Buch auch als Verfasser von Reportagen und Essays zu Lateinamerika, Afrika und Asien einen Namen. Er veröffentlichte mehrere Sammlungen, zuletzt «Das rollende R der Revolution» (2008). Buch reiste in den vergangenen Jahren immer wieder zu den Brennpunkten des Weltgeschehens - nach Ruanda und nach Birma, nach Venezuela und nach Darfur. In seinem jüngsten Roman «Sansibar Blues» (2008) verarbeitet er die deutsch-ostafrikanische Kolonialgeschichte.

Zuvor hatte Buch mit der Novelle «Tod in Habana» (2007) eine Persiflage auf Thomas Manns «Tod in Venedig» geliefert - zugleich eine ätzende Kritik an den Zuständen im kommunistischen Kuba. Der Autor lässt darin durchschimmern, wie er sich selber im Laufe seines Lebens vom glühenden Verehrer der kubanischen Revolution zum scharfen Castro-Kritiker wandelte. Und immer wieder dreht sich sein Schaffen um Haiti, wie in dem Romanessay «Tanzende Schatten» (2004). Das Land seiner Großeltern ist Buch zur Obsession geworden - ein Inselstaat, der gelegentlich mit einem ähnlich klingenden Pazifik-Archipel verwechselt wurde. «Wieviel müssen wir Ihnen bezahlen, Herr Buch, damit Sie endlich aufhören, über Tahiti zu schreiben?» zitiert Buch seinen früheren Verleger Siegfried Unseld.




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